Otto Addo: „Ghana ist für mich eine Herzensangelegenheit“

Am morgigen Dienstag wird mit Otto Addo ein alter Bekannter den Weg zurück ins Westfalenstadion finden – im WM-Achtelfinale geht es für Ghana gegen die schier übermächtige Mannschaft aus Brasilien um mehr als nur einen Achtungserfolg. Doch warum nicht für eine erneute Überraschung sorgen? Otto Addo nahm sich Zeit und zeigte sich im Interview durchaus zuversichtlich.

Erstmal herzlichen Glückwunsch zum Einzug ins Achtelfinale. Kaum jemand hätte euch diese Leistung zugetraut, Ghana war krasser Außenseiter in einer starken Gruppe. Als nächstes geht es gegen Brasilien – ist Ghana für eine weitere Überraschung gut oder geht es eher um Schadensbegrenzung?

Addo: Eine Chance haben wir auf jeden Fall, es wird aber sehr schwer. Brasilien ist eine starke Mannschaft, doch im Fußball ist immer alles möglich. Wenn wir einen guten Tag haben und Brasilien einen vielleicht nicht ganz so guten, können wir das Spiel gewinnen – wir müssen eben mal sehen wie das Spiel so läuft. Es wird sehr, sehr schwer, aber es ist machbar.

Dem afrikanischen Fußball wurde lange Zeit nachgesagt sein großes Potenzial nicht auszunutzen. Gerade im taktischen und konditionellen Bereich gab es Probleme, immer wieder wurde die fehlende Spieldisziplin kritisiert. In den Gruppenspielen war davon aber nicht viel zu sehen: WM-Favorit Tschechien wurden über die vollen 90 Minuten die Grenzen aufgezeigt, gegen die USA habt ihr taktisch klug den Sieg eingefahren. Habt ihr die Kritiker Lügen gestraft?

Addo: Es ist natürlich so, dass sich der Fußball generell – nicht nur in Afrika – deutlich weiterentwickelt hat. Sehr viele afrikanische Spieler werden mittlerweile in Europa ausgebildet und spielen bei europäischen Vereinen, insofern ist es also relativ normal, dass wir europäisch spielen. Nach hinten haben wir bisher taktisch sehr diszipliniert gestanden, während wir nach vorne versucht haben unsere Kreativität auszuspielen und durch überraschende Aktionen zum Torerfolg zu kommen.

Kann man also sagen, dass der afrikanische Fußball europäischer geworden ist?

Addo: Das kann man auf jeden Fall sagen! Gerade bei der Elfenbeinküste hat man das gesehen, aber auch bei Senegal 2002 oder bei Kamerun und Nigeria. Ein Großteil der Spieler spielt in Europa, da sieht man dann auch gleich, dass die eine gute Ausbildung haben. Wenn man da schon im frühen jugendlichen Alter mit 16 oder 17 Jahren hinkommt, kann man natürlich viel mehr lernen als das in Afrika möglich wäre. In Europa herrschen eben ganz andere Bedingungen was die Fußballplätze oder auch das Umfeld angeht. Das merkt man dann auch bei den Nationalmannschaften.

Mit Ghana, Togo und der Elfenbeinküste waren drei Nachbarländer für die WM qualifiziert, Spieler wie Essien, Drogba oder Eboue spielen bei Top-Clubs auf höchstem Niveau. Was macht den westafrikanischen Fußball momentan so erfolgreich?

Addo: Es ist natürlich ein bisschen Glück mit dabei gewesen, dass gerade drei Mannschaften aus Westafrika bei der WM dabei waren. Die Elfenbeinküste hat zum Beispiel davon profitiert, dass Kamerun in letzter Minute einen Elfmeter verschossen hat und auch Togo hatte ein-zwei glückliche Siege mit dabei, doch Glück und Pech gehören eben zum Spiel. Der Fußball in Afrika ist insgesamt viel besser geworden. Die Mannschaften sind von der Leistungsstärke her näher zusammengerückt, so dass dieses Jahr auch Überraschungsmannschaften die Chance bekommen haben bei der WM mitzuspielen. Um da jetzt auf Ghana sprechen zu kommen: unsere absolute Stärke war die Defensive. Es war wichtig, dass wir gerade hinten sicher standen und dann im defensiven Mittelfeld mit Michael Essien und anderen Spieler hatten, die nicht nur taktisch genau das umsetzten was der Trainer von ihnen verlangte, sondern auch Akzente nach vorne setzen konnten. Das war unser Schlüssel zum Erfolg.

Welche Bedeutung hat der Fußball für die Menschen in Ghana? Was hat man vor dem Turnier von euch erwartet?

Addo: Was die Menschen vor allem gewollt haben ist, dass der Name Ghana auch nach der WM noch lange in Erinnerung bleiben wird. Wir sollten nicht sang- und klanglos untergehen, drei mal verlieren und dann nach Hause fahren – das erste Ziel haben wir also schon erreicht. Wir wollen aber noch mehr erreichen und so schwer es auch wird Brasilien zu schlagen, wir wollen weiterkommen. Ansonsten hatten wir überhaupt keinen Druck. Es geht hauptsächlich darum, dass wir den Namen Ghana gut repräsentieren, weil das für die Menschen in Ghana sehr viel bedeutet. Die wirtschaftlichen Verhältnisse sind wie in ganz Afrika katastrophal, da ist natürlich der Sport eine gute Chance für den Kontinent und das jeweilige Land sich international zu präsentieren. Fußball ist in Ghana der Sport Nummer 1 und obwohl die Ghanaer schon von sich aus lebensfrohe Menschen sind, ist Fußball eine Sache, die die Lebensfreude noch mal ein ganzes Stück steigert. Es herrscht große Armut in Ghana und es sind die kleinen Sachen, an denen man sich hochziehen kann. Dementsprechend ist unser Abschneiden sehr wichtig für alle Menschen, die aus Ghana oder eben aus Afrika kommen.

Ghana hat vier Mal den Africa Cup gewonnen, zweimal wurde die U17 Nationalmannschaft Weltmeister. Auch deshalb waren zahlreiche Experten überrascht, dass sich Ghana bisher nie für eine Weltmeisterschaftsendrunde qualifizieren konnte. Was war es für ein Gefühl, endlich das begehrte WM-Ticket gelöst zu haben?

Addo: Ein sehr, sehr gutes Gefühl. Ich war leider nicht dabei, da ich aufgrund einer schweren Verletzung seit zwei Jahren kein Länderspiel mehr gemacht hatte. Ich konnte vor der WM gerade noch zwei Testspiele mitmachen, bei denen ich den Trainer davon überzeugen konnte, dass ich zum Kader dazu gehöre – das hat also ganz gut geklappt. Für die Spieler, die die Qualifikation überstanden haben ist es natürlich eine Riesensache. Sie hatten teil an einem historischen Moment, das war eine sehr bewegende Sache und ein großer Moment für Ghana.

In eurer Mannschaft gibt es einige Spieler, die längere Zeit in der Bundesliga aktiv waren. Was habt ihr den Mannschaftskameraden erzählt, die Deutschland weniger gut kennen? Wie habt ihr sie auf Land und Leute vorbereitet?

Addo: Eigentlich mussten wir nur wenig sagen. Die meisten spielen ohnehin in Europa, da ist Deutschland keine allzu große Umstellung. Natürlich hat der ein oder andere gefragt, welche Probleme es hier mit Rechtsradikalen gibt, aber wir konnten ihnen sehr schnell klar machen, dass es während der WM überhaupt keine Probleme geben würde. Das ist nur ein ganz kleiner dummer Teil von Menschen in Deutschland, der Großteil ist sehr offen, nett und freundlich. Das ist auch das, was die Jungs hier erfahren haben. Wir sind alle positiv überrascht wie viel Sympathie unserer Mannschaft entgegenkommt. Die „Steht auf wenn ihr für Ghana seid“-Sprechchöre in den Stadien haben uns zum Beispiel sehr bewegt, genauso wenn wir mit dem Bus herumfahren oder spazieren gehen und die Leute uns zuklatschen und Mut zusprechen. Wir sind froh, Teil dieses Ganzen zu sein. Wir haben viel Respekt vor Deutschland und sehen das als nicht unbedingt selbstverständlich an, deswegen ist diese Erfahrung umso schöner.

In Deutschland gibt es momentan kaum ein anderes Gesprächsthema als die WM. Was bekommt ihr von dieser Stimmung mit?

Addo: Wir bekommen hier jeden Tag mit, wie begeistert die Leute sind. Vom ersten Tag an wurden wir in Würzburg sehr freundlich aufgenommen, überall waren ghanaische Fahnen zu sehen und wir waren herzlich willkommen. Das war schon vor dem Turnier so, doch nach dem Erreichen des Achtelfinales natürlich umso stärker. Man bekommt auch diese Stimmung mit, besonders nach den Deutschlandspielen, wenn sich alle für Deutschland freuen, Party machen und mit Hupkonzerten durch die Stadt fahren. Insgesamt eine sehr schöne und tolle Atmosphäre, auch was die Fans gegnerischer Mannschaften angeht. Es ist sehr ungewohnt, dass einem selbst nach einem Sieg gegen Tschechien die tschechischen Fans zuklatschen und gratulieren. Gleiches gilt für die Amerikaner, deren Spieler und Fans sich als sehr faire Verlierer gezeigt haben. Das ist man von der Vereinsebene überhaupt nicht gewohnt. In der Bundesliga wird man von den gegnerischen Fans meistens nur beschimpft, doch hier ist
es etwas ganz anderes. Ein Miteinander, das viel Spaß macht.

Das deutsche Publikum hat euch richtig ins Herz geschlossen. Hättet ihr mit dieser Unterstützung gerechnet?

Addo: Das hat mich sehr überrascht, die anderen Spieler ebenso. Die haben immer wieder gefragt, was die Fans da singen, da musste ich das dann übersetzen. Es war sehr schön, solchen Zuspruch zu bekommen. Das erlebt man nicht alle Tage.

Am Dienstag geht es jetzt nach Dortmund. Auf der einen Seite der amtierende Weltmeister Brasilien, auf der anderen Seite der sympathische Außenseiter, dem wohl jeder die Daumen drückt. Setzt das noch mehr Kräfte frei?

Addo: Wir sind richtig motiviert, keine Frage! Es ist die ganz klare Ansage, dass wir jetzt noch nicht am Ende unserer Ziele sind, sondern dass wir kämpfen, ein gutes Spiel abliefern und natürlich auch gewinnen wollen. Wir wissen, dass es sehr schwer wird, aber im Fußball würde ich nichts ausschließen. Wir haben die Mannschaft, die das schaffen kann. Es wäre natürlich eine Riesenüberraschung, aber ich bin überzeugt davon, dass wir die Spieler haben, um Brasilien zu schlagen.

Gibt es ein sportliches Ziel, das ihr bei der WM erreichen wollt?

Addo: Nein, wir wollen so weit wie möglich kommen. Wir konzentrieren uns jetzt erstmal auf Brasilien und hoffen, dass wir uns da durchsetzen.

Das Motto der WM lautet „Die Welt zu Gast bei Freunden“ – trifft dieser Slogan denn auch zu?

Addo: Absolut. Deutschland ist ein guter Gastgeber, wir fühlen uns sehr wohl. Die Menschen sind freundlich und offen, da gab es überhaupt keine Probleme – ganz im Gegenteil, es war sehr angenehm. Wir sind mehr als nur zufrieden. Du bist in Deutschland geboren und aufgewachsen und hast nie für einen Verein außerhalb Deutschlands gespielt.

Warum hast du dich entschieden für Ghana zu spielen und nicht wie Gerald Asamoah oder David Odonkor für Deutschland?

Addo: Das ist eine wirklich lange Geschichte, aber ich versuche es kurz zu machen. Generell ist es immer eine Herzensangelegenheit und man muss sich so entscheiden wie man sich fühlt. Obwohl ich hier geboren und aufgewachsen bin fühle ich mich nicht als Deutscher, schon ganz allein wegen meiner Hautfarbe. Ich will da niemandem einen Vorwurf machen, dass er mich vielleicht nicht gleich für einen Deutschen hält, doch gerade in meiner Jugendzeit habe ich da eben einige schlechte Erfahrungen gesammelt. Das hat dann dazu geführt, dass ich mich eben mehr als Ghanaer fühle als als Deutscher. Ich verstehe es aber und finde es auch sehr gut, dass sich Gerald und David für Deutschland entschieden haben. Es ist wichtig, dass gerade Jugendliche diese Spieler sehen und erkennen, dass auch dunkelhäutige Menschen Deutsche sein können mit denen man sich identifizieren kann. Ghana ist für mich eine echte Herzensangelegenheit und es macht mir Spaß, für Ghana zu spielen.

In direkter Nachbarschaft zu eurem Hotel findet momentan ein Fest nach dem anderen statt, der Strom an Schaulustigen und Autogrammjägern reißt nicht ab. Dazu herrscht bestes Biergartenwetter und beinahe täglich gibt es einen öffentlichen Empfang. Wie schafft ihr es da noch euch auf Fußball zu konzentrieren?

Addo: Das alles stört uns überhaupt nicht, ganz im Gegenteil! Hier ist immer was los und es wird nie langweilig. Das ist wichtig, weil man eine gewisse Ablenkung braucht und man schließlich nicht die ganze Zeit an Fußball denken kann. Man muss sich auch anders beschäftigen können, ganz allein schon um den Kopf frei zu kriegen und locker zu werden. Ein bis zwei Tage vor dem Spiel ist man dann wieder voll bei der Sache und konzentriert sich auf die nächste Aufgabe, das reicht dann aber auch. Wenn man die ganze Woche über nur an das Spiel denkt und nichts anderes sieht, verkrampft man schnell und setzt sich oft zu sehr unter Druck.

Eine Ausgangssperre wurde also nicht verhängt?

Addo: Das ist richtig, eine Ausgangssperre gibt es bei uns nicht. Wenn wir kein Training haben können wir uns frei bewegen, nur nachts groß um die Häuser ziehen ist eben nicht drin. Nach den Siegen gegen Tschechien und die USA hat keiner was gesagt, da war das ok, aber gerade vor dem Spiel ist es so, dass wir uns auf unsere Arbeit konzentrieren müssen.

Kommen wir zur Bundesliga. Du warst einer der Publikumslieblinge beim BVB, wurdest bei deiner Rückkehr ins Westfalenstadion begeistert empfangen – an was denkst du, wenn du heute auf Borussia Dortmund angesprochen wirst?

Addo: Ich hatte eine sehr schöne Zeit in Dortmund, die ich nicht missen möchte. Ich habe mich extrem gefreut, so empfangen zu werden. Es war mir fast ein bisschen peinlich so viel Zuspruch zu bekommen, das ist manchmal schon unangenehm. Trotzdem freue ich mich natürlich riesig, weil es unglaublich selten ist, dass man von den Fans der gegnerischen Mannschaft so freundlich begrüßt wird. Das hat mich echt ergriffen damals, keine Frage.

Noch ein Grund mehr, dich auf Dienstag zu freuen?

Addo: Auf jeden Fall! Ich freue mich jedes Mal nach Dortmund zu kommen und habe dort noch immer sehr viele Freunde. Es ist immer wieder schön im Westfalenstadion vor so einer tollen Kulisse zu spielen und ich hoffe mal, dass das auch am Dienstag Glück bringt. Es wäre natürlich toll, wenn die Zuschauer uns noch ein bisschen mehr unterstützen würden, weil Matthew ja momentan in Dortmund spielt und auch ich einige schöne Jahre in Dortmund verbringen konnte.

Hört man in Dortmund den Namen Otto Addo, denkt man unweigerlich an dein Tor gegen Austria Wien und dein unglaubliches Verletzungspech – nach vier Kreuzbandrissen ist es ein Wunder, dass du überhaupt noch Fußball spielen kannst. Wie hast du es geschafft, dich immer wieder an die Mannschaft heran zu kämpfen? Wo hast du diesen unbändigen Willen hergenommen?

Addo: Es ist eigentlich gar nicht so schwer. Seit meiner Kindheit liebe ich es einfach Fußball zu spielen, da konnte ich mich sehr leicht motivieren. Da kommt noch hinzu, dass ich oft mit meiner Mutter in Ghana war und gesehen habe, wie es den Menschen dort geht. Meine Verletzungen waren zwar schlimm für mich, doch im Endeffekt ging es mir noch lange nicht so schlimm wie so vielen anderen Menschen. Das hat mir geholfen da immer wieder durchzugehen, genauso wie die Unterstützung meiner Freunde, meiner Familie und auch meiner Freundin. Viele Fans haben mir Karten und Briefe geschrieben und mir immer wieder Mut gegeben – so lange der Arzt dann gesagt hat, dass es noch eine Chance gibt, habe ich daran geglaubt und an mir gearbeitet, um wieder Fußball spielen zu können. Jetzt bin ich froh, dass ich wieder mal eine Saison fit geblieben bin und hoffe, dass ich noch drei bis vier Jahre spielen kann.

Ist die WM in Südafrika dein großes Ziel?

Addo: So weit denke ich noch gar nicht. Ich spüre mein Knie schon ein bisschen und gerade jetzt am Ende einer harten Saison merke ich, dass mir eine Pause wirklich gut tun würde. Man muss einfach mal sehen wie lange das noch geht mit dem Bein. Es wäre natürlich riesig, da noch einmal eine WM zu spielen, aber das ist alles Zukunftsmusik, über die ich mir jetzt noch keine Gedanken mache.

Letzte Saison hast du den BVB in Richtung Mainz verlassen. Welche Unterschiede sind dir aufgefallen? Fühlst du dich in Mainz gut aufgehoben?

Addo: Überraschenderweise waren es gar nicht mal so viele! Einerseits ist es natürlich die Größe des Stadions und der Stadt. In Mainz ist alles viel kleiner als in Dortmund, auch was den Verein und das Umfeld angeht. Die Fans in Mainz sind unglaublich, da würde ich vielleicht noch den größten Unterschied sehen: die haben überhaupt keine Erwartungen an die Mannschaft. Selbst wenn man 3:0 verloren hat wird man da noch beklatscht und bejubelt, da gibt es nie ein böses Wort. Ansonsten sind die Menschen sehr freundlich, genauso wie es auch in Dortmund immer der Fall war. Bis auf die Tatsache, dass in Dortmund alles einige Dimensionen größer ist, ist es also relativ ähnlich.

Uli Hoeness hat einmal gesagt: „Der Addo gehört in den Zirkus“. Hast du schon mal darüber nachgedacht, was du nach deinem Karriereende machen willst? Eine Karriere als Clown oder Dompteur könnte dich bestimmt reizen…

Addo: (Lacht) Daran habe ich noch gar nicht gedacht, könnte man sich aber mal überlegen… Zu Uli Hoeneß muss man sagen, dass er sich bei mir entschuldigt hat. Er war auch einer der ersten, die mir einen Blumenstrauß ins Krankenhaus geschickt haben als ich meinen dritten Kreuzbandriss hatte. Wir haben die Sache gemeinsam aus der Welt geräumt, das muss man immer dazu sagen. Im Fußball geht es manchmal eben hektisch zur Sache und gerade nach diesem Spiel mit drei roten Karten und vielen Fouls ist ihm halt mal der Kragen geplatzt. Was ich nach meiner Karriere machen werde, weiß ich noch nicht genau. Es gibt da ein paar Möglichkeiten, die ich mir offenhalte. Ich würde gerne im Fußball tätig bleiben, ob als Trainer, im Management oder bei einer Sportartikelfirma steht aber noch offen.

David Odonkor hat deinen Vereinswechsel sehr bedauert, weil er sich bestens mit dir verstanden hat. Ihr beide seid kurzfristig in den WM-Kader gerutscht – hattet ihr schon die Gelegenheit euch darüber zu unterhalten? Hättest du ihm die bisher gute Leistung zugetraut?

Addo: Auf jeden Fall! Ich war angenehm überrascht von seiner Nominierung und habe mich natürlich für ihn gefreut. Ich denke, dass es eine gute Entscheidung von Jürgen Klinsmann war David mitzunehmen, weil er eine sehr gute Saison gespielt hat. Wir stehen noch immer in Kontakt, telefonieren vielleicht zwei mal im Monat. Während der WM haben wir auch schon drei mal telefoniert und uns gegenseitig beglückwünscht. Es freut mich riesig für David, dass er diesen Sprung geschafft hat und es war mir klar, dass er jemand ist, der immer Impulse bringen kann. Er wird meines Erachtens auch sehr gut und richtig eingesetzt von Klinsmann. Für viele war es natürlich eine große Überraschung, dass David so auftrumpft, ich habe es ihm aber von Anfang an zugetraut. Er hat während der Saison schon oft gezeigt, dass er über die Außen Druck machen und dann gute Flanken schlagen kann, das bestätigt er jetzt und das freut mich für ihn ganz besonders. Hoffen wir, dass es so weiter geht und Deutschland dann auch ins Finale kommt.

Im August beginnt die neue Bundesligasaison – was hast du dir vorgenommen?

Addo: Ich würde gerne mehr Spiele machen als in der abgelaufenen Saison, da war es gerade in der Hinrunde etwas dünn. Klar ist es immer schwer nach so langer Pause wieder Fuß zu fassen, aber ich hoffe, dass das eben noch ein bisschen besser werden wird. Es wäre auch schön, eine weitere Saison verletzungsfrei zu bleiben.

Vielen Dank für das nette Gespräch und viel Glück im weiteren Turnierverlauf und in der Bundesliga.

Erschienen bei schwatzgelb.de und Sport-Inform, August 2006, S. 22-23

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